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Über die Wirkung der Skulpturenausstellung artA!

Zusammenfassung schriftlicher Äusserungen in der  Sprache der Besucher
--  Reihenfolge der Exponate des Kataloges  --

 

Die Mitglieder des Schreibwerkstatt „Die Kunst Gedanken zu fangen“ (Leitung Eva Mayer-Feigenbutz, im Rahmen der Volkshochschule Konstanz) ließen sich bei einem Besuch der Skulpturenausstellung „Brücken bilden“ im Seegarten Allensbach zu den nachfolgenden Texten inspirieren.

Ursula Becker

Anita Bertram

Brigitte Böhrer

Marlene Jäckle

Silvia Krummenacher

Eva Mayer- Feigenbutz

Renate Schiess

Uschi Steidle

Susanne Zeitz

 

Ursula Becker

Brücken bilden

Ich folge der roten Linie
und blicke auf Brücken, Tore und schwarzen Granit
aufgestiegen aus den heißen Tiefen der Erde
erkaltet in feinen Riffelungen.
Ich blicke auf rostige Stahl-Stelen
Verbindung einfordernd im gegenseitigen Anblick,
auf hölzerne Säulen durch materialfremdes Gitter verbunden.
Ein solidarisches "Je suis" grüßt vom luftigen Oben
Symbol des Zusammenhalts in Zeiten der Gewalt.
Wer hat den Überblick? Vom hohen Thron?
erhaben über dem Alltag in luftiger Höh'?
Brückenketten, Kettenbrücken, Verbindung schaffend, Kluften überwindend
sieht aus nach Ewigkeit.
Bunte Fundstücke im Winde sanft schaukelnd
und Seidenstrumpfgewebe Gedanken fangend, hängend vom Baum.
Metallstreifen-Wirrwarr über rostiger Tonne
und Glasfaser verstärkter Frauenkopf
in sinniger Schubladenausführung,
keramische Köpfe mit Augenkontakt
zu den Sternen.
Auch stahlrote Bänder überbrücken
und schwarzes Eisen in die Leichte gehoben.
Wie Gedanken, so fragil und leicht
Zellophan-Vögel, der Schwere enthoben
und aus Holz gezimmert: das Ei
die älteste Brücke der Welt
zwischen Anfang und Ende
zwischen Oberfläche und Inhalt
zwischen Materiellem und Spirituellem.
Kalkstein, ein Korpus in der Mitte gebrochen
trotz Schwächung eine Gesamtheit, gestützt zwar,
Überbrückung als Herausforderung!
Die Doppel-Helix als Ur-Brücke,
Brücken auf denen das Leben basiert.

 

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Anita Bertram 

 Brücken bilden 

 Ein Dinosaurier kam zufällig am Bodensee vorbei
und legte dort ein Riesenei.
Um es für die Ewigkeit zu präparieren,
mussten 800 Nägel ganz schön parieren.
Diese schlug der Künstler ein,
möge sein Werk gepriesen sein.

 

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Brigitte Böhrer

Vergebung

Wenn ich Brücken baue
und nach vorne schaue,
bin ich zufrieden.

Zu Vieles erfragen
und nachzutragen
hab‘ ich stets gemieden.

Was uns dann verbindet,
wenn Argwohn verschwindet
ist mächtig und groß.

Die Vergebung der Schuld
erfordert Geduld
und ist grandios.

 

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Marlene Jäkle

Brücken

Individuelle Brücken 
sind der Angst-Besetzten Krücken.
Wollen schließen Menschen-Lücken
und die Welt zusammenrücken.

Seht Ihr der Objekte Tücken?
Elefanten sind nicht Mücken!
Wer von Euch wollte sich bücken? 
Ließe so sich unterdrücken!

Lasset und Humanes pflücken
und aus jenen Schicksals-Stücken
bauen brüderliche Brücken.
Kinder Gottes – lasst es glücken!

 

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Silvia Krummenacher

Brücken bilden, Grenzen

Ich bewege mich zwischen den Skulpturen, den Brücken, ehrfürchtig und andächtig. Bin überwältigt und tief beeindruckt. Jeder Künstler zeigt mir auf seine sensible Art, sein tiefes Empfinden, seine Brücke. Wie verschieden sie doch sind in Form, Farbe, Gewicht und Materie. Doch alle haben auch das Gemeinsame. Sie führen von einem Punkt zum anderen, sie verbinden, überbrücken, zeigen Grenzen. 

Ich verlasse das Alte und bewege mich zum Neuen, ins Ungewisse, was auch Angst auslösen kann. Der Dialog drängt sich auf, wird gefordert, bringt Veränderung, Verständigung. Die Brücke will etwas mit mir machen, mir zeigen, mir sagen. Ich verstehe. Ich bilde die Brücke, sie trägt mich, sie stützt mich. Ich gehe, vielleicht wankend, schwebend, stark oder schwach. Ich gehe und verbinde, überwinde.

 

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Eva Mayer-Feigenbutz

Brücken bilden 

trau dich, trau dir was zu 
und überwinde dich
suche Verbindungen im gegenseitigen Stützen
gib und suche Halt
doch teile den Raum auch mit anderen
suche die „Shelters für strange birds“ 
Schutzräume für fremde/schräge Vögel
ihr Flügelschlag trägt dich hinauf
nur im Fliegen siehst du über dich hinaus
entdeckst tanzende Regenschirme hoch oben 
schwebend am Weg und jeder erzählt 
seine eigene poetische Geschichte
vom Suchen und Finden
je suis, tu es – mais quoi?
überbrücke 
die vierteilige Treppe
trau dich, überwinde dich
geh 
von Haus zu Haus
verbinde dich
je suis – nous sommes

 

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Renate Schieß

Je suis

Ein guter Mensch hat dem Baum eine Stimme gegeben - bzw. zwei
Wörter: 'je suis'. Die Buchstaben sind nacheinander an einem der unteren
Äste aufgehängt und bewegen sich unmerklich im Wind. Leise sage ich zu
mir: „ich bin auch“... - da sind wir zwei, und können miteinander reden
- eine Brücke von Baum zu Mensch.
Aber zunächst: ist dieser Baum philosophisch gestimmt? Denn warum sagt
er ausgerechnet „je suis“? Überhaupt, warum spricht er französisch?
Descartes zuliebe?
Weiß er etwas vom berühmten Ausspruch 'cogito, ergo sum'? Die innere
Verbindung von Bewußtsein und Hirnschmalz, die uns Menschen zu dieser
für uns immer etwas unsicheren Behauptung verführt...?
Solche Probleme hat er wahrscheinlich nicht, der Baum. Er IST einfach
und behauptet sich den Elementen gegenüber - seiner Mutter, der Erde,
fest verbunden. Und so eigentlich: allem verbunden.
Aus seiner Selbstsicherheit heraus ergibt sich aus der in der Luft
schaukelnden Aussage die zweite: 'ich folge'.
Er folgt seinem Auftrag, seinem Ziel, seinen Vorgängern. Sich selber treu.
Er gibt mir Rückhalt mit seinem 'je suis' - ja, ich folge dir, Baum!

 

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Uschi Steidle

 Brücken bilden

Ich schlendere durch den Park, betrachte die verschiedenen Skulpturen, zum Thema Brücken bauen. Da plötzlich, entdecke ich dich, Jesus du bist hier, dein Name hängt an einem Baum. Der grösste Name im Himmel und auf Erden. Magisch angezogen laufe ich näher, nein da steht nicht Jesus sondern Je suis. Ich habe falsch gelesen, wahrscheinlich lag es an der Hitze, über 30 Grad.  Etwas enttäuscht bleibe ich stehen.  Je suis, heisst ich bin. Ja natürlich, du bist da. Mit deiner unendlichen Liebe zu allen Menschen auf dieser Welt, bist du der eigentliche Brückenbauer und bei dir sind alle Bewohner dieser Erde geborgen. In deiner Barmherzigkeit sind wir alles Brüdern und Schwestern. O wie missverstanden und missbraucht wurde dein Name von Kirchen und Machthabern. Missbraucht, nicht um zu verbinden, sondern um Mauern aufzubauen, um Abgründe zu schaffen, wurdest du benutzt. Mit deiner Liebe im Herzen könnten wir uns alle in Liebe und Verständnis begegnen, Brücken bauen zum Nächsten, zum Anderssein. Du hast es uns in deinem Leben vorgelebt, den Weg aufgezeigt, den Weg der Vergebung und des Neu Anfanges. Und du zeigst dich auch heute noch in aller Welt, erscheinst den verschiedensten Menschen, zeigst uns, dass wir angenommen sind. Wie bunte Regenschirme steigen die Gebete auf zu dir und wollen uns vor Unheil beschirmen.

 

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Susanne Zeitz

Im Seegarten

Die dunkle, warme Stille der Nacht.
Bäume, Pflanzen und Skulpturen unter ihrem Schleier.
Verhüllung.
Heiseres Rufen eines Käuzchens,
leises Glucksen des Sees,
knackende Äste.
Nachtmelodie
Von Ferne zwölf dumpfe Schläge der Kirchturmuhr.
Zeit der Magie und Träume.
Voller, runder Mond 
schiebt letzte, graue Wolke zur Seite,
baut mit milden Strahlen
silberne Bücke vom Himmel zur Erde.
Der Elfentanz beginnt.
Kichernd und singend.
Balancieren auf einer Holzbrücke.
Zerbrechliche Pfade?
Nicht für Elfen.
Leichtigkeit und Transparenz.
Plastikvögel flattern in den Himmel.
Regenschirme tanzen in luftiger Höhe. 
Materie wird geistig.
Geistiges wird sichtbar.
Verwandlung.
Wunder einer Vollmondnacht 

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Adrian Bütikofer, „Brücke“:  Technische Feinarbeit, ästhetisch wirkend. Erkennbare Verbindung zur Natur. Brücke „von hier nach dort“, Brücke „ zum anderen Ufer“ = Aufforderung zum Begehen. Bedeutung der Brückenbildung für „Migration und Integration und für das „Miteinander“.

 

Reiner Anwander, „Brücke als Bank“:  Einfache, solide erscheinende Konstruktion erweckt Vertrauen; verbindet offensichtlich „Gutes“ miteinander.

 

Sigrid Baumgärtner, „Köpfe in Kisten“:  Gedanken des Ungewissen, emotionale Fragen treten auf. Skulpturen lösen „Reflektieren und Fragen nach „Himmel und Erde“ aus. Köpfe denken ohne Anspruch auf Schönheit.

 

Hadmut Bittiger, „Kraniche“:  Leichtigkeit, Flügelschlag, Lichtreflexe, Bewegung als Quelle „beflügelnder Deutungen“. Mit beigefügter schriftlicher Gedankensammlung = Magnet für Ausstellung. Vorübergehend auftauchender schwarzer Kranich, ein Mysterium! Dazu ein lebendes Ereignis: Schwarze Krähe zu Besuch bei Kunststoff-Kranichen mit „Anstupsen“.  -  Wow!

 

Günter Braun, „Woher, wohin mit „Bruch“:  Abstraktion für Bruch im Leben - erwartet/unerwartet/vorbereitet/unvorbereitet? Nur Nachdenken führt weiter!

 

Verena Bühler, „Shelters for strange birds“:  Symbolik der Geborgenheit für Mensch und Natur. Schlichte Form von Nesthöhlen mit erstaunlicher Wirkung.

 

Andrea Buhmann, „hängende Brücke“:  Überwindung schwieriger Wegstrecke, aber, nicht ungefährlich. Natürliches Material unterstreicht die Abstraktion.  

 

Sibylle Burrer, „Metallwirrwar als Brücke“:  Wirrwar der Metallstrukturen wie ein „Gedankensammelsurium“; Brückenbildung durch Bündelung unübersehbar. Öfter anschauen lohnend! Abstraktion wichtiger als Anspruch auf Schönheit.

 

Veronika Dierauer – Maeder, „Eigen“  Polyester:  „Eigener“ Kopf aus Kunststoff strahlt „Kunst“ aus, Gedanken- gänge/brüche/blitze entstehen. Beleuchtungseffekte mit überraschender Potenzierung bei wiederkehrendem Besuch!

 

Thomas Dittus, „Zwei Stelen mit Brücke“:  Zwei Steine auf zwei Stelen als Zeichen einer Doppeldeutigkeit der Brücke; Gefahr und Sicherheit; zweite Steinrichtung zu hinterfragen. „Schönheit der Skulptur“ unterstützt das Nachdenken.

 

Heike Endemann, „Urbrücke“ oder Doppelhelix:  Ästhetische Holzskulptur, Symbol für Entstehung des Lebens. Künstlerische Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnis zum Nachdenken. – Gedankenbrücke zur benachbarten Stuhlskulptur!

 

Stefan Faas, „Teste di Ponte“ aus Stahl:  Dialog zwischen zwei „Wesen“ unverkennbar. Weitere Gedankenbrücke: „Kunst darf auch anziehend wirken“!

 

Ferose, „Stahlschüssel auf Stelzen“:  Abstrakte Darstellung einer Brückenbildung.  Schmelztiegel der Dinge/Abläufe nicht einsehbar aber mit der Erde verbunden.

 

Cornelius Hackenbracht, „Mega Stahl-Steinskulptur“:  Steinelemente einer mächtigen Brücke, Ketten als Motor einer  Verbindung. Optischer Anziehungspunkt für kleine/grosse Gedankengänge; Staunen und zugleich Demut auslösend.

 

Barbara und Omi Jäger und Riesterer, „rote Stange als Brücke“:  Langes rotes Holzband  = Verbindung aller Exponate! Blickfang, „waagerechter“ Leuchtturm!

 

Georg Janthur, „hoher Stuhl“:  Blick vom hohen Stuhl zur Reichenau selbstsprechend, beeindruckend. Blick zur benachbarten Doppelhelix mahnt, Natur/Biologie zu achten. Stuhl steht für Weitsicht, Vernunft, Demut.

 

Johanna Knöpfle, „Performance-Brücken-Tisch“:  Gespräch als Brücke zum Verständnis füreinander; Verbindung unter Menschen durch Dialog erreichbar.

 

Jürgen Knubbe, „versperrte Brücke“:  Exponat als Beispiel zu verstehen, Hindernisse zu überwinden. Ohne Phantasie und Kreativität keine Brückenbildung.

 

Rebecca Koellner, „Textilinstallation auf Bäumen“:  Gedankenbrücken in eigener Weise in der Natur verankert. Verständliche Sprache, eindrucksvolle Technik mit Hinweis auf Vergänglichkeit. Besondere Ergänzung!

 

Susan und Gabriel Kopp-Matzenauer, „Schirme im Wind“:  Farbige Schirme am Himmel als aufheiterndes Exponat. Anschauen bewirkt „Freude auftanken“. Grosse Wirkung auf „ jung und alt“, auch ein Leuchtturm!

 

Alois Landmann, „Steinmodule als Brücke“:  Steinmodule vermitteln „Sicherheit und Schönheit“. Gewählte Technik ein variierendes Merkmal des Künstlers.

 

Martina Lauinger, „Verbindung mit Stahlrohren“:  Starre Stahlrohre dynamisch verbunden, eine „Deutung“ = Hinweis auf biologische Verbindungen.  

 

Anette und Lukas Lenzing, „Je suis“:  Wenige Buchstaben zwischen Bäumen mit grosser Wirkung auf das Nachdenken; wirkt auch und in anderer Form ohne das „zeitweise“ heruntergefallene „i“; reflektieren lohnt sich!

 

Catrin Lüthi K, „Panorama“:  Tafelexponat weitet den Blick; „gutes/böses, Begegnung/Flucht, Migration/Integration u.a. kommen ins Bewusstsein.

 

Monika Maier, „Holz/Stahlbetonbrücke“:  Sicherheit der Brücken-Bank als Hilfe für das „Weiterkommen“ oder als Sitzplatz zum „Über-/Be-/Nachdenken“.

 

Georg Mann, „das grosse Ei“:  Biologische“ Urbrücke“; technisch und optisch wirkungsvolle Skulptur; Hintergrund der Urzelle; Grossformat und Schlichtheit kein Gegensatz. Besucher wünschen „dauernden“ Standplatz!

 

Monika Ortmann, „Strümpfe“:  Eigenwillige farbige StoffInstallation. Verstrickte  Strukturen dem menschlichem Verhalten ähnlich; extrovertiert, interessant!

 

Ulrich Sälzle, „Stahlelemente in verschiedene Ebene“:  Form, Ausrichtung, Verbindungssteg der Stelen offen für viele Deutungen.

 

Herbert Stehle, „von Haus zu Haus“:  Ästhetisch formschöne Minimaldarstellung benachbarter Häuser; soziale und offene Struktur; Bereicherung für Seegarten.

 

Michael Steigerwald, „Mammut-Baum-Stelen“:  Kunstvoll aufgebaute Stelen aus Holzelementen. Imposante und dennoch harmonische Masse; wirkende Farbe. Metallverbindung = offensichtlich bewusste Einbeziehung menschlicher Technik.

 

Heinz Treiber, „Stahl mit roter Lackfarbe“:  Metallbogen-Skulptur; trotz gegenseitiger Abstützung Wirkung der einzelnen Bögen. Rote Farbe als Lockvogel.

 

Ralf Weber, „Stahl und schwarzer Granit“: Kunstvoll bearbeiteter Granit überbrückt Stahlstelen. Verbindung von vulkanischem und menschlich gefertigtem Material = ein zu bedenkender Hintergrund. Würdiger Abschluss des Rundganges.

 

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